Schulkritik, öffentlichkeitswirksam

Immerhin: Die Kritik am Schulsystem erreicht die Massenmedien. Im August 2016 titelte das Printmagazin „Spiegel“ „Lasst die Kinder frei. Noten sind nicht alles: Worauf es im Leben ankommt“.

Studien zufolge wünschten sich Eltern für ihre Kinder, dass sie starke Persönlichkeiten werden, die „selbstbewusst und entscheidungsfreudig für ihre Belange eintreten können“, so der „Spiegel“. Doch das leistet die Schulbildung offensichtlich gerade nicht. „Es ist unheimlich schwer für Pädagogen, Eltern und Lehrer, unter dem großen Leistungsdruck, der heute herrscht, die Bedingungen herzustellen, die zum Erreichen dieser Ziele nötig sind“, zitiert das Magazin Julius Kuhl, einen Psychologen an der Universität Osnabrück. Er sagt, Schule sei zu einem „extrem stressintensiven“ System geworden. Laut „Children’s Worlds“-Studie unter 56.000 Kinder aus 16 Ländern bildet Deutschland demnach das Schlusslicht bei der Frage, wie gern Kinder zur Schule gehen.

Josef Kraus, Präsident des deutschen Lehrerverbandes, stellt im Beitrag fest, dass die „Korrelation zwischen Bildungsnote und späterem Berufserfolg immer geringer“ werde. Zugleich glauben aber laut einer „Spiegel“-Umfrage 74 Prozent der Befragten mit schulpflichtigen Kindern, dass „Schulnoten sehr stark oder stark über Erfolg und Misserfolg im späteren Leben bestimmen“.

Der „Spiegel“ zitiert auch den Bildungsforscher Klaus Hurrelmann, der feststellt, dass in der Mittelstufe die Lust auf Schule bei vielen „rapide sinkt“, denn „Stillsitzen und Disziplin“ werden immer schwerer zu ertragen. „Die fühlen sich da wie in einem Gefängnis“, zitiert das Magazin Hurrelmann. Vor allem werde zu wenig trainiert, wie man Dinge selbst auf die Beine stellt.

Auch ein interessanter Aspekt: Je mehr Sorgen sich die Eltern über die schulische Entwicklung ihrer Kinder sorgen – und je mehr sie diese Ängste an die Kinder weitergeben – desto schwerer haben es die Kinder und desto schlechter werden ihre Leistungen. Das stellte Kuhl in einer Untersuchung mit 60 Kindern fest.