Ein Lob den Rebellen

Der Familientherapeut Jesper Juul – den viele von seinen Kolumnen in Zeitungen kennen – befasst sich in seinem Buch „Pubertät – Wenn Erziehen nicht mehr geht“ kritisch mit dem Thema Schule und hat Spannendes zu sagen.

Juul schreibt: „Seit 15 Jahren befindet sich die Schule in der Defensive und hat nicht viel anderes geliefert als einen endlosen Strom von Klagen über die aufmüpfigen Kinder unserer Tage, deren nachlässige Eltern es versäumt haben, ihnen beizeiten die Flötentöne – Gehorsam und Unterwerfung – beizubringen. Die Lehrerausbildung und die archaische Kultur der öffentlichen Schule befinden sich mit dem modernen Menschen nicht mehr in Einklang“.

Besonders ermutigend finden wir schoolrebels die folgenden Sätze:

„Eltern sollten sich klarmachen, dass Kinder, die offen von ihrem Unbehagen berichten, die die Schule schwänzen, aus dem System fallen oder mit Ach und Krach die Mindestanforderungen erfüllen, obwohl ihr Potenzial viel größer ist, extrem mutig sind. Die Propaganda und der Druck, den Politiker, Beamte, Lehrer und Eltern gleichermaßen ausüben, ist so enorm, dass ein junger Mensch, der gegen den Strom schwimmt, den allergrößten Respekt und die maximale Unterstützung durch seine Nächsten verdient“.

Juul beschreibt die Geschichte eines elfjährigen Jungen, der nicht mehr gern zur Schule gehen wollte. Seinen Eltern, die ein Gespräch mit der Schule suchten, wurde gesagt, dass man mit „Problemkindern aus Prinzip keine persönlichen Gespräche“ führe. „Dieser Vorgang ist so entwürdigend, so unmenschlich und so primitiv, dass man sich darüber wundern muss, dass es noch keinen bundesweit organisierten Aufstand von Eltern gibt, die sich mit diesen Zuständen nicht länger abfinden wollen. Aber den gibt es nicht“, stellt Juul fest. Seine Erklärung dafür:

„Die Angst vor dem System und dem möglichen sozialen Fiasko der Kinder verleitet die meisten Eltern nicht nur dazu, den Status quo zu akzeptieren, sondern auch ihre Kinder im Stich zu lassen, wenn diese plötzlich »Schulprobleme« bekommen. Ich räume gern ein, dass Eltern vor einer ungeheuer schwierigen Entscheidung stehen, die zum riskanten Drahtseilakt werden kann: Sollen wir uns mit dem System solidarisieren, was unsere Kinder sowie unsere Beziehung zu ihnen womöglich unerträglichen Belastungen aussetzt, oder sollen wir ihnen den Rücken stärken, obwohl wir befürchten müssen, damit ihre Zukunftsaussichten aufs Spiel zu setzen?“

Angesichts des konkreten Leidens an der Schule, so Juul, wundere er sich täglich darüber, „dass wir noch keinen kollektiven Aufschrei der Eltern erleben, die im eigenen Namen sowie im Namen ihrer Kinder eine Änderung der Gesetze verlangen“. Er rät den Eltern dazu, ihren Kindern den Rücken zu stärken:

„Viele Eltern stehen also vor der Wahl, sich entweder als verlängerter Arm des Staates zu betätigen oder den staatlichen Institutionen gegenüber zum Sprachrohr ihrer Kinder zu werden. Im Interesse aller Parteien hoffe ich, dass sich so viele Eltern wie möglich für Letzteres entscheiden. Ich zweifle keine Sekunde daran, dass Kinder, denen dies zuteilwird, ein besseres Leben als Erwachsene führen, bessere Eltern werden und für die Gesellschaft von größerem Wert sind.“

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